Burnett (1840-1901)

Dr. med. I. Compton Burnett lebte von 1840-1901. Dr. Burnett kam als Sohn eines Gutsbesitzers in Schottland zur Welt. Seine Schul-ausbildung genoss er in England, wobei aber besonders seine kritische und tiefe Lerneifrigkeit hervorstach. Drei Jahre lang hielt er sich in Frankreich auf, unternahm auch andere größere Reisen, denn seine ganze Liebe galt den Sprachen.
Medizinstudien in Wien, später dann in Glasgow (1869). Seine Promotion erwirbt er dort im Jahre 1876. Bei seiner Anatomieprüfung wird er besonders ausgezeichnet. Sein examinierende Anatomieprofessor versuchte später, Dr. Burnett von seinem Entschluß abzubringen, Homöopath zu werden, stände ihm doch eine fabelhafte Karriere ins Haus, worauf Dr. Burnett entgegnete:
„Auf Kosten meines Gewissens will ich mir keine weltlichen Ehren erkaufen.“
In Burnetts Briefen wird ersichtlich, daß er denselben Weg des enttäuschten Schulmediziners zu durchleiden hat wie einst Altvater Hahnemann. Er fühlte sich im Stiche gelassen und wollte diese unrühmliche Kunst, wie Dr. Hahnemann es nennt, aufgeben, als Farmer in Amerika ein neues Leben beginnen. Durch eine Erkrankung aus der Kindheit angestachelt, versuchte er, an sich selbst die Wirkung der Arzneien zu testen. Als Junge hatte er eine linksseitige Rippenfellentzündung, deren Nachwirkungen ihm noch zu schaffen machten. Nachdem er schon alle Möglichkeiten der allopathischen Schule, nebst den Anwendungen der Kräuterärzte und Wasserärzte versucht hatte, machte er sich daran, Bryonia zu verwenden, was ihn innerhalb weniger Tage heilte.
Bei einem Abendessen mit Kollegen forderte ihn ein besonders wissenschaftsgläubiger und stichelnder Kollege auf, nachdem er die Homöopathen auch noch Quacksalber genannt hatte, seine Gründe für die Ausübung seines Berufs als homöopathischer Arzt darzustellen.
Daraufhin schrieb Dr. Burnett sein Büchlein: „Fünfzig Gründe, Homöopath zu sein“. Dieses Werk enthält sehr viele Fallbeispiele, aber auch die für Burnett so typischen genauen Beobachtungen, bei denen vor allem seine praktische Art, und vor allem ganz die Erkrankung heilen zu wollen, auffallen. Er wechselt, wie so oft, zwei Mittel an einem Tag, verwendet niedrige Potenzen und dann wieder hohe.
Sein Selbstversuch mit Gold (Aurum foliatum) brachte weitere Erkenntnisse zur Anwendung dieser Arznei und sehr klare Übersichten über die Anwendung der verschiedenen Goldmittel. 1879 veröffentlicht er dazu einige Fallbeispiele und geht näher auf die Miasmenlehre ein. 1880 gibt Dr. Burnett sein Büchlein Natrium muriaticum, als Beiweis für die Wirksamkeit der potenzierten Arznei heraus. Hier finden wir einen zentralen Satz seiner Denkweise: „Wir sind alle geneigt, die Regeln gründlicher wissenschaftlicher Untersuchung beiseite zu legen, wenn wir im Innersten den Wunsch fühlen, die Sache möge nicht wahr sein.“ Er genießt wegen seiner scharfen Zunge keinen besonders guten Ruf, trifft er doch in seinen Schriften und seinen öffentlichen Vorträgen empfindlich die Schwachstellen der Schulmedizin. In dem Werk C. Burnetts über Dr. Samuel Hahnemann: ecce medicus (Seht, welch ein Arzt!), geschrieben 1880, finden wir dessen absolute Anerkennung für Samuel Hahnemann. Er spricht hier davon, dass wir noch in der Saatzeit der Wahrheit leben und auch die Jüngsten die Erntezeit nicht mehr erleben werden. Besonderes Augenmerk legt Dr. Burnett auf die Impffolgen. Die Impfung schlechthin zu seiner Zeit und bis in die 80er Jahre unseres Jahrhunderts war die Pockenimpfung. Mit unendlich vielen Fallbeispielen gibt er hier Einblick in die umfangreichen Zerstörungen und Schädigungen durch diese Impfung. Seine Liebe gilt hier der Verordnung mit Thuja occidentalis, aber auch Cupressus lawsoniana kommen zum Einsatz.
in isopathisch von ihm hergestelltes Medikament aus dem Eiter des Pockensekrets erweist sich in seiner Praxis als sehr nützlich. Seine tiefe Liebe und Verantwortlichkeit rufen ihn dazu auf, das Mögliche und Wirksame für seine Patienten zu tun. Er betont, wie sehr der Organismus von dem Impfgift überwältigt wird.
Dazu veröffentlicht er 1884: „Das Ähnlichkeitsgesetz ist das wissenschaftlichste Prinzip des Impfens: Vorbeugung durch Homöopathie.“ Heute wünscht man sich, dass es doch öfter gelesen werde, denn es hat an Aktualität nicht verloren.
In seinem Werk über die Hauterkrankungen betont Dr. Burnett, daß die Haut ein lebenswichtiges Organ des Körpers sei und bei Erkrankung unbedingt von innen heraus behandelt werden müsse. Jeder Teil der Haut sei auf das Engste mit einem inneren Organ oder Teil verbunden, jede Hauterkrankung nur der äußerste Ausdruck einer inneren Krankheit. Bei seinen Aufzeichnungen kommen besonders die Zusammenhänge mit der Unterdrückung von Hautausschlägen und der Entstehung von Atemwegserkrankungen hervor, bieten aber gerade dadurch eine gute Anschauungsübung zur Erlernung der richtigen Mittelwahl. In seinen Büchern fordert er die Leser immer wieder auf, Ursachenforschung zu betreiben. Geschwulste der Brust werden von ihm behandelt, mit einer Vielzahl von Medikamenten und gutem Erfolg, wie sich noch mehr aus seinen persönlichen Praxisaufzeichnungen ersehen läßt. Der Genuß von zu viel Fleisch, zu starken Gewürzen bei Tumorerkrankungen und die übermäßige Einahme von Salz werden nähren nach seinen Beobachtungen die Geschwulste.
In dem Werk „Die Heilbarkeit der Tumore durch Arzneimittel“ betont er: Ein Arzt, der sich immer nur an die Symptome hält, ist wie ein Leser, der, um lesen zu können, jedes Wort buchstabieren muß. Auf die Frage, welches Heilmittel das wirksamste sei, antwortet er: „Es ist, als wenn man jemanden, der eine Leiter gebrauchte, um in ein Haus zu gelangen, fragt, mit welcher Sprosse er hineingelangte.“ Am 2. April 1901 stirbt Dr. Compton Burnett völlig überarbeitet bei seiner Arbeit für das Wohl der Menschen an einem Herzversagen.